BESW - Hufakademie

Hufpflege - Huftechnik - Hufbeschlag

Imprint Shoe

Test: Linda Stadler, Hufpflegerin, Huftechnikerin und Hufschmiedin
Text: Linda Stadler, Hufpflegerin, Huftechnikerin und Hufschmiedin und Dr. Alexander Wurthmann
Fotos: Dr. Alexander Wurthmann
Redaktion:Dr. Alexander Wurthmann

Andrew Poynton gehört zu den höchstdekorierten Hufschmieden Englands. In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts untersuchte er Thermoplaste verschiedener Hersteller auf ihre Tauglichkeit für den Einsatz am Pferdehuf. Wegen der hohen Variabilität des Materials war sein Entwicklungsziel kein traditionell genagelter Hufschutz, sondern ein Klebeschuh. Bis zum Jahr 2000 war das neue Produkt so weit getestet, daß er Imprint Shoes gründete und erste Patente beantragte. Der Imprint Sport besteht aus zwei Schichten, deren obere sich unter warmem Wasser verformen und an den Huf anpassen läßt. Danach wird diese mit Kälte ausgehärtet und verbindet sich mit dem Huf.

 

Produktbeschreibung

Geliefert werden die Imprint Sports in einer hübschen Schachtel mit allerlei nützlichem als Beigabe...

...und drapiert fast wie Schmuckstücke. Das beeindruckt.


Doch nun zum Schuh selbst. Der Imprint Shoe wird aus zwei verschiedenen Varianten eines Thermoplasts hergestellt. Der untere Teil ist dunkelgrau eingefärbt und härter ausgelegt. Der obere Teil ist weiß und weicher ausgelegt. Der Beschlag ist geschlossen und hat eine gute Strahlunterstützung

.

Der obere Teil hat einen 5 mm dicken und etwa 1,5 cm hohen umlaufenden Kragen, der bis hinter die weiteste Stelle am Huf gleich hoch ist und dann kontinuierlich zur Strahlfurche hin abfällt.

Die Unterseite hat eine Zehenrichtung.

In die Bodenseite wurde ein Falz zur Verbesserung der Griffigkeit eingelassen.

Auch die Strahlunterstützung ist stark profiliert um mehr Halt auf weichen Böden zu geben. Sie hat in der Mitte einen Spalt, um im Bereich von Ballen und Strahl mehr Beweglichkeit zuzulassen, als dies ein durchgehender Hufschutz könnte.

Der Imprint Sport ist mit oder ohne Gewinde zur Aufnahme von Stollen erhältlich. Diese sind an den Trachtenenden eingelassen

 

Größen

Es gibt Vorderhuf- und Hinterhufausführungen des Imprint Sport im jeweils fünf Größen:

127 x 127
133 x 133
140 x 140
146 x 146
152 x 152
(vorne)
114 x 127
120 x 133
127 x 140
133 x 146
140 x 152
(hinten)

 

Verarbeitung

Der Huf wird sauber ausgeschnitten. Die Kanten sollten gut berundet werden, vor allem an der Zehe, damit der Imprint ausreichend weit zurückgesetzt werden kann. Nach dem Ausschneiden werden zunächst mehrere kleine Vertiefungen in die Hufwand gefräst.

Dazu verwendet man am besten ein Multifunktionsgerät wie z. B. diesen Dremel 10.8 V

mit einem kugelförmigen Fräskopf.

In die Hufwand fräst man sodann etwa einen halben Zentimeter oberhalb der Tragrandes mehrere kleine Vertiefungen.

Eine an der Zehenspitze und an jeder Seitenwand etwa drei weitere. In diese wird später der weiche Kunststoff des Oberschuhs gedrückt. Sie weiten sich nach innen etwas auf, so daß beim Kleben ein Schwalbenschwanzeffekt entsteht.

Die Anpassung des Imprint Sport erfolgt nicht, indem man mit Hufraspel und Nipper seine Breite an den Huf anpasst. Vielmehr wird der Oberschuh weich gemacht und dann an den Huf angedrückt. Der Unterschuh bleibt dabei unverändert.




Daher muß die Auswahl der zu verwendenden Größe besonders sorgfältig erfolgen. Sodann wird der Huf wie für Klebeschuhe üblich vorbereitet. Zum Anbringen benötigt man einen Kleber.

Imprint hat selbst das erforderliche Produkt mit einer dazu passenden Pistole entwickelt. Andere Kleber können nicht verwendet werden. Es handelt sich meist um Polyurethan-basierte Kleber, welche einen absolut trockenen Huf benötigen – was beim Imprint Sport aus nahe liegenden Gründen nicht funktioniert.

Imprint hat für die Erwärmung des Imprint Sport im Wasserbad eine geeignete Plastikschale entwickelt (ja auch das gibt’s). Weiterhin entwickelte man ein kleines Plastikgestell, auf das der Imprint Sport bei der Erwärmung gelegt werden kann. Sonst würde er ja auf dem Kragen liegen, welcher sich dann umlegen würde (und sogar daran hat man gedacht).

Nur der obere Teil des Imprint Sport wird erwärmt. Der Unterschuh muß aus dem Wasser ragen.

Sodann wird der Kleber auf den Huf aufgebracht …

… und der Imprint Sport erwärmt, bis der Kragen durchsichtig ist. Diese beiden Vorgänge sollten sorgfältig aufeinander abgestimmt werden, damit der Kleber noch aufnahmefähig ist, wenn der Imprint Sport weich ist. Dies erkennt man daran, dass er durchsichtig ist: Das ist das Zeichen dafür, mit der Anpassung zu beginnen.

Der Imprint Sport wird nun auf den Huf gebracht. Dabei wird der Oberschuh wie eine Knetmasse an den Huf gedrückt. Dafür hat man je nach Außentemperatur ein bis drei Minuten Zeit, bevor der Oberschuh beginnt auszuhärten. Dabei geht der Imprint Shoe eine feste Verbindung mit der Hufwand ein, die sehr robust und langlebig ist.

Sobald der Imprint Sport sitzt, wird er mit einem Vereisungsspray ausgehärtet. Und auch dafür gibt es – nicht wahr, Sie wussten es schon – ein Imprint-Produkt.

Der Huf kann sofort nach dem Aushärten abgestellt werden.

Nach dem Aushärten kann man Überstände und Unregelmäßigkeiten des Oberschuhs mit einer Hufraspel glätten.

Der Imprint Sport lässt sich mit einer Hauklinge und/oder einer Hufraspel problemlos und weitgehend rückstandfrei vom Huf abnehmen.

 

Testbetrieb

Getestet wurde der Imprint Sport auf der Hinterhand von Red Ant Patrik, einem zehnjährigen Quarter im Besitz von Pamela Missenhardt. In der Umgebung des Barthuber Hofs in Maitenbeth östlich von München wird er meist im Gelände bewegt. Die Abriebfestigkeit des Imprint Sport war an ihm und weiteren Pferden im Kundenstamm der Autorin sehr vorbildlich. Darin braucht er den Vergleich auch mit abriebfestesten Hufschutzarten nicht zu scheuen. Nach dem Abnehmen waren an den Vertiefungen in der Hufwand keine Risse zu beobachten. Schließlich füllt der Oberschuh die Verbindungen derart formschlüssig aus, dass kein Arbeiten des Hufschutz am Huf zu beobachten war, was für gewöhnlich zu Rissen führen kann. Restlicher Kunststoff verschließt die gefrästen Löcher noch sauber bis sie herausgewachsen sind. Nach sieben Wochen war lediglich ein leichtes Ablösen des Kragens hinter der weitesten Stelle des Hufs zu erkennen, allerdings waren die Hufe nun auch schon ordentlich nachgewachsen.

Kosten

Die Preise beginnen bei etwa 65 € für das Paar. Darin ist nichts weiter enthalten, als zwei Klebeschuhe. Die weiteren Systemkosten wie Kleber, Spray etc. kommen noch hinzu.

Es gibt aber auch sehr praktische Systemkits im Alukoffer mit 5 Paar Imprint Sports und allem was man braucht, um diese anzubringen – bis auf z. B. Wasserkocher und Dremel. Der Preis hierfür liegt bei etwa 480 € für den gesamten Koffer. Erhältlich ist aber auch ein sogenanntes Starterkit. Es enthält im Alukoffer die wichtigsten Utensilien wie das Imprint Hoof Repair, Kleber, Pistole, Vereisungsspray etc.. Dieses Set läßt sich dann paßgenau um diejenigen Imprint-Klebeschuhe ergänzen, die man braucht. Zu den Kosten für den Starterkit kommen dann noch die Kosten für die Imprint-Sports. So lässt sich vermeiden, daß man ein Set mit Beschlägen einkauft, die man dann lange Zeit nicht braucht – eine glänzende Idee.

Weitere Produkte

Die Beherrschung der Thermoplaste machte man sich bei Imprint für die Entwicklung weiterer Hufschutz-Produkte zu Nutzen.



 

Dazu gehört. Z. B. der Imprint First, ein Spezialschuh ganz in weiß für den Einsatz bei akuter Hufrehe.

Aber auch der gänzlich dunkelgraue Imprint Plus. Auch er ist für den Einsatz bei Hufrehe-Pferden gedacht. Allerdings erst in der Rehabilitationsphase. Dazu verfügt er über besonders weiche Eigenschaften kombiniert mit guten Gripeigenschaften.

Schließlich gibt es den ganz in weiß gehaltenen Fohlenschuh ab 70 mm Breite.Grundelement der Imprintprodukte ist das thermoplastische Material, auf das Imprint auch Patente hält. Das Material wurde so entwickelt, dass es die gleiche Härte aufweist wie Hufhorn.

Was lag also näher, als das Granulat selbst als Kunsthorn – genannt Imprint Hoof Repair - anzubieten? Es lässt sich genauso verarbeiten wie der Imprint Sport: In heißem Wasser erwärmen und weich machen, dann die gewünschte Menge formen und mit dem Erkalten wieder aushärten lassen.

Damit stehen zunächst natürlich alle gängigen Funktionen zur Rekonstruktion der Hornwand zur Verfügung. Da es aber auch an den Imprint Shoe selbst angebracht werden kann, eröffnen sich ungeahnte weitere orthopädische Möglichkeiten.

Es lässt sich wie Knetgummi in die verschiedensten Formen bringen und ist dabei derart flexibel einsetzbar und belastungsfähig, dass sich beispielsweise der Imprint Sport um eine Unterstützungsfläche erweitern lässt...

...oder ein Fohlenschuh zum Durchtrittigkeitsschuh ausgebaut wird.

Wichtig ist das Granulat auch um, das Mittragen des Strahls zu verbessern, wenn dieser zu schwach ausgebildet ist. Einfach passende Menge des Granulats auf die Strahlunterstützung des erwärmten Beschlags aufbringen um so einen festen Schluß zwischen Strahl und Beschlag herzustellen.

Die Vielseitigkeit des Granulats zeigt sich auch, falls einmal ein Imprint Sport verloren geht oder abgetreten wird.

Er wird wieder ins heiße Wasser gelegt und Kleberreste werden entfernt. Mit dem Granulat wieder aufgefüllt wird er wieder auf den Huf aufgebracht. Der Imprint Shoe ist danach wieder ohne Einschränkungen voll einsatzfähig.

 

Fazit

Klebeschuhe mit einem flexibel anlegbaren Kragen kennen wir seit Einführung des Sigafoos. Der Imprint Sports hat einen neue Technik erschlossen, die den Einsatz von Metall erübrigt. Weitere neue Produkte der Imprint-Familie sind zu erwarten. Die Anwendung ist trickreich und will gelernt sein. Achtung Laien: Finger weg. Ohne Schulung droht doppelter Verlust: verlorenem Schuh folgt verlorene Kundschaft. Alle Kniffe und Tricks hier zu schildern, würde zu weit führen. Doch wer’s kann, hat einen hervorragenden Klebeschuh zur Verfügung: überragende Anpassungsfähigkeit, fester Sitz, hohe Abriebfestigkeit, schier endlose orthopädische Fähigkeiten durch die Verbindung mit dem Granulat. Dazu kommen die Vorteile aller Klebeschuhe: geringes Gewicht, geringe Einschränkung der Flexibilität der Hornkapsel und geringe Gefahr abgetreten zu werden, da er keine Überstände an den Trachten aufweist wie andere Hufschutzarten.

Die Nachteile sind ebenfalls schon von anderen Klebeschuhen bekannt. Da ist zunächst die nicht unerhebliche Masse Material an der Zehenspitze, die selbige nicht übersehbar verlängert. Deutlich gemildert wird dies durch die Zehenrichtung und das zurücksetzen des Imprint, aber nicht völlig kompensiert. Wie bei anderen geschlossenen Klebeschuhen sieht man auch beim Imprint Sport nicht, was unter dem Kragen vor sich geht. Es ist nur ein vergleichweise geringer Teil der unteren Hufwand, aber mit Klebelaschen – erst recht durchsichtigen – hat man eventuelle Problemherde leichter unter Beobachtung.


Des weiteren, ist der Beschlag für stark abweichende Hufformen ungeeignet, da er sich im Grundmodell nicht anpassen läßt.

Und dann wäre da natürlich noch der Preis. Wer den Imprint Sport als Hufschutz für unproblematische Hufe verwendet, beweist Sinn für Luxus. Für den Normalfall sind andere Hufschutzarten genauso gut geeignet und um ein etliches billiger. Auch auf dem Klebeschuhsektor gibt es billigere Angebote, die zudem noch die Möglichkeit bieten, andere Hufschutzarten drunter zu montieren. Der Imprint Sport und seine nahen Verwandten sind äußerst vielfältige Klebeschuhe für schwierige Fälle. Hier zeigen sie eine Meisterschaft, die unter den Klebeschuhen unerreicht ist.
Somit ist der Imprint Sport ein interessantes neues Modell auf dem Markt, das vor allem durch seine Haltbarkeit und den Laufkomfort für das Pferd und das (nach ein wenig Übung) recht unkomplizierte Handling besticht. Mit dem Imprint First und dem Granulat ist dem Hersteller zudem eine gute Erweiterung des Einsatzgebietes gelungen.

 

 

Hersteller

Poynton Ltd
Town Forge
High Street
Malmesbury
Wiltshire
SN16 9AT  UK
Tel./Fax 0044/1666 822 953

www.imprintshoes.co.uk.

Wer Englisch kann (also wir alle ;-)) findet hier viele Informationen.

Bezugsquelle

IMPRINT e.K., Dr. Eberhard Reininger, Holzhäusl 5, 83527 Kirchdorf
0175/9312736
www.imprint-beschlag.de
eberhard-reininger@t-online.de

Andreas Strohm Hufbeschlagartikel, Ikarusstr. 26, D 40474 Düsseldorf
Tel. 0211/650408/0, Fax 0211/650408/77
www.strohm.de

Alle Rechte, auch der Übersetzung in fremde Sprachen liegen bei der BESW Hufakademie. Kein Teil der Publikation darf ohne schriftliche Genehmigung der BESW Hufakademie in irgendeiner Form – durch Photokopie, Mikroverfilmung oder irgend ein anderes Verfahren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen, verwendbare Sprache übertragen werde, das gilt auch für jedwede digitale Verarbeitung oder Verwendung in Datennetzen.

   

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