Nachfolgend
möchte ich Ihnen erläutern, wie wir uns heute nach neuesten
wissenschaftlichen Untersuchungen den gesunden idealen Huf an einem
gesunden und ebenfalls idealen Pferd vorzustellen haben. Bitte beachten
Sie:
Nicht alles kann perfekt sein und dies gilt auch für
das Pferd und seine Hufe, aber man kann versuchen, das Pferd und
seine Hufe so optimal wie möglich zu erhalten.
Merkmale
des gesunden idealen Hufes
·
Die Winkelung des Hufes ist passend zur gedachten Winkelung der
Fesselstandslinie. Trachten und Zehenwand sind somit gleichgewinkelt.
Der Verlauf der Hufwandröhrchen ist gleichmäßig
und in der selben Winkelung wie der Hufwinkel und die Winkelung
der Fesselstandslinie.

·
Der Huf ist von Vorne nach Hinten gleichmäßig und ausbalanciert.
( Passt der Huf zum Fesselstand, ist er automatisch ausbalanciert!)
Der Bereich von der Strahlspitze bis zur Zehenwand entspricht in
der Regel einem Drittel des Hufes. Der Bereich von der Strahlspitze
bis zum Trachtenende zwei Drittel des Hufes.
·
Der Vorderhuf hat eine runde Form – da Stützfunktion.
·
Der Hinterhuf hat eine ovale Form – da Schubfunktion.

·
Der Huf ist von Links nach Rechts gleichmäßig und ausbalanciert.
Die Größe des Hufes wird durch den Körperbau des
Pferdes, dessen Gewicht, und die Dicke der Gliedmaßeknochen
bestimmt. Beim Vergleich der gedachten Zehenachse mit dem medialen,
lateralen Verlauf der Hornwände, sollten diese zueinander passend
sein.
·
Der Kronrandverlauf ist gleichmäßig verlaufend und hat
keine Richtungsabweichungen. Abweichungen des Kronwandverlaufes
können Anzeichen für Verspannungen im Huf sein.
·
Der Kronrand ist geschmeidig und elastisch.
·
Das Hufhorn ist gleichmäßig, glatt verlaufend, hartelastisch
und leicht glänzend. Risse, Spalten und Rinnen sind
immer ein Indiz für Störungen.
·
Der Verlauf der Weißen Linie ist gleichmäßig.
Mediale oder laterale Abweichungen sind Anzeichen einer Störung

· Die Weiße Linie ist gelblich und festelastisch.
Schwarze Verfärbungen zeigen Fäulnisbildung an.
·
Mindesten in der Vorderen Hälfte des Hufes bilden Hornwand,
Weiße Linie und Sohle den sogenannten Tragerand.
Im mittleren bis hinteren Bereich, kann durchaus auch die Seitenwand
bis zum Trachtenbereich alleine tragend sein.
·
Die Sohle ist kräftig und druckunempfindlich. Sie
sollte nicht beschnitten oder gar ausgehöhlt werden. (Durch
eine zu dünne Sohle ist die Huflederhaut größeren,
spitzen Steinen schutzlos ausgeliefert!)

·
Der Eckstreben-Trachtenwinkel ist tragfähig, kräftig ausgebildet.
Ein Teil der Eckstreben wird somit zum Tragen mitherangezogen. Eine
zangenartige Biegung zum Strahl hin stabilisiert den Huf zusätzlich
gegen krankhafte Verengung (Zwanghuf) oder Weitung (Flachhuf) der
Hornkapsel. (Eckstreben und Zehenbereich sollen sich im Abriebverhalten
die Waage halten!)
·
Die Eckstreben sind stabil und der Verlauf zum Strahl hin ist gleichmäßig
und gut zu erkennen. Evtl. Überwucherungen auf die
Sohle und um die Strahlspitze herum werden in der Regel entfernt.
·
Der Strahl ist kräftig, elastisch und berührt beim Auffußen
fast gleichzeitig zusammen mit den Trachten den Boden.
Er ist V-förmig, der mittlere Bereich und die seitlichen Strahlfurchen
sind frei von Fäulnis und Überwucherungen.
·
Die Ballen sind gleichmäßig, geschmeidig und elastisch.
Einseitig höhergeschobene Ballen können auf eine ungleichmäßige
Belastung der Trachten hinweisen.
Barhufpflege und Hufbeschlag: Gene Ovnicek, der Erfinder
von NBS (Natural-Balance-Shoe) hat 1986/87 in Amerika wilde Mustangs
eingefangen und die Wildpferdhufe untersucht. Er bestrich ein Brett
mit Teer und drückte dieses auf die Hufe der Wildpferde. Die
Hufe waren auf den bodenberührenden Punkten schwarz. Das Ergebnis
war bei allen Pferden verblüffend gleich. Sie tragen ihr gesamtes
Gewicht verteilt auf die Trachten mit den Eckstreben und dem Strahl,
sowie der Sohle und im Zehenbereich je ein Punkt links und rechts
neben dem Hufbein. Verbindet man nun die Bodenkontaktpunkte diagonal
miteinander, so kreuzen sie sich genau über der weitesten Stelle
des Hufes also unter dem Gelenkfügungszentrum (Artikulationszentrum)
des Hufgelenks. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Sohle
an der Grundfläche des Hufbeins durch die Sohlenlederhaut produziert
wird. Somit sollte die ganze Sohlenfläche eine einheitliche
Dicke besitzen. Der optimale Huf hat die weitste Stelle genau unter
dem Artikulationszentrum des Hufgelenks. Von dieser Stelle aus liegt
der Abrollpunkt genau 1/3 vor der weitesten Stelle und die Trachten
2/3 hinter dieser. Wie schon unter dem Bereich „Haltung“
erwähnt läuft sich das Wildpferd eine starke Zehenrichtung
an. Das Wildpferd steht in seiner für ihn typischen natürlichen
Balance. Genau genommen sind also die Trachten und die Zehe des
Hufes gleich stark belastet.

Die Untersuchungen
von Ovnicek beweisen, dass Pferdehufe meist falsch beschnitten oder
beschlagen werden. Die Sohle wird ausgehöhlt, der Strahl auf
ein Minimum gekürzt, die stabilisierenden Eckstreben und Trachten
weggeschnitten, dies führt zur Destabilisierung des Hufes.
Des weiteren nutzen sich die Trachten des Pferdes zu schnell ab,
die Zehe wird zu lang und das Pferd wird somit aus der Balance gebracht.
Beschlagen wird oft ohne angeschmiedete (angebogene) Zehenrichtung,
womit das Abrollen des Hufes erschwert wird und der Bereich der
Hufrolle überlastet wird. Zusätzlich sind die Eisen meist
im Trachtenbereich zu kurz, was zu einer verstärkten Trachtenbelastung
führt und deren Abrieb beschleunigt. Zu all diesen Fehlern
werden auch noch die Eisen zu schwer und zu dick gewählt.
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